Hubertus Apotheke Beratung

Sternkarten für trockene Nächte - wenn das kleine Geschäft bei Kindern nachts daneben geht

Enuresis nocturna

Geht bei Kindern das "kleine Geschäft" ausschließlich nachts daneben, besteht meistens kein Grund zur Sorge. Nur in Ausnahmefällen stecken ernsthafte Störungen dahinter. Bei Bedarf stehen wirksame Behandlungsstrategien zur Verfügung. Das Augenmerk sollte eher bei Kindern liegen, die auch tagsüber ihre Höschen nass machen, raten Experten.

Wenn Kinder nachts ins Bett nässen, sind die Eltern schnell gestresst. Das Kind ist nass, das Bettzeug ebenso - und das mitten in der Nacht. Im Alter von fünf Jahren passiert das nächtliche Malheur noch etwa jedem fünften Kind regelmäßig. Experten sprechen von "Enuresis", wenn Kinder mindestens zwei Mal pro Monat im Schlaf ihre Blase entleeren, tagsüber aber trocken bleiben. In den meisten Fällen besteht kein Anlass zur Sorge. Zwar haben die Ärzte die Ursachen der nächtlichen Blasenentleerung noch nicht eindeutig identifiziert. Doch die meisten gehen davon aus, dass sich bei den Kleinen einfach die Entwicklung des zentralen Nervensystems verzögert hat.

Psychische Faktoren spielen zumeist keine Rolle: Bei diesen unterscheiden sich Kinder, die einnässen, nicht von anderen. "Mit fünf Jahren gibt es einfach noch viel zu lernen", sagt schmunzelnd Professor Jan D. van Gool, ein niederländischer Kinder-Nephrologe der am Universitätskrankenhaus Antwerpen in Belgien arbeitet, "und manche Kinder sind einfach etwas langsamer." Allerdings sind auch noch im Alter von sieben Jahren zwischen zwölf und 14 Prozent der Jungen und sieben bis 14 Prozent der Mädchen Bettnässer. Von diesem Alter an empfehlen Experten dann auch eine Behandlung.

Heute stehen verschiedene denkbare Ursachen auf dem Prüfstand der Forschung: So vermuten Wissenschaftler, dass eine zu kleine Blasenkapazität die nächtliche Blasenentleerung verursacht. Auch die nächtlich produzierte Urinmenge scheint eine Rolle zu spielen. Möglicherweise, so lautet eine weitere Hypothese, wird dieses Problem durch eine überaktive Blase verstärkt.

"Eltern sollten nicht gleich überreagieren, wenn ihr Kind nachts ins Bett nässt", rät der Spezialist. Niederländische Studien aus den neunziger Jahren zeigen, dass bis zu 19 Prozent der nächtlichen Bettnässer ohne Behandlung binnen acht Wochen trocken wurden. In anderen Studien verschwand das Symptom bei bis zu 30 Prozent der Kinder spontan. Besonders wichtig ist die positive Einstellung des Kindes. Druckmachen ist nicht die richtige Methode, zumal Experten vermuten, dass elterliche Erwartungshaltungen gegenüber dem Kind die Situation eher verschlimmern. Van Gool empfiehlt, dem Kind die Verantwortung zu übergeben, nach dem Motto "das Bettnässen wird vermutlich verschwinden. Nur weiß keiner genau, wann."

Verschwindet das nächtliche Malheur nicht, so sind Verhaltenstherapien Methode der Wahl. Dazu gehören etwa kleine Belohnungen wie Sternkarten für trockene Nächte. Die so genannte "Klingelhose" ist ein über 60 Jahre altes Verfahren. Eine Alarmglocke klingelt und weckt die Kinder auf, wenn die Hose feucht wird. "Die Alarmglocke ist immer noch die effektivste Methode bei nächtlichem Bettnässen", resümiert van Gool. Nach einer Behandlung von acht bis neun Wochen sind bis zu 43 Prozent der Kinder dauerhaft trocken. Die Rückfallquote ist im Vergleich zu anderen Behandlungsstrategien niedrig.

Eine kleine Blasenkapazität können die Kinder durch ein Blasentraining verbessern. Die medikamentöse Behandlungen der kleinen Patienten beurteilen Experten wie van Gool insgesamt eher kritisch. Während sich beim nächtlichen Einnässen die Blase völlig entleert, verlieren die Kinder bei Harninkontinenz tagsüber meist nur kleinere Urinmengen. Sie wird deshalb nicht als so störend empfunden wie die nächtliche Enuresis. "Doch Eltern sollten gerade hier nicht zögern, einen Arzt aufzusuchen", rät van Gool. Denn dieser Harnverlust, ein Zeichen für eine Störung von Schließmuskel und Blasenmuskel, tritt sehr häufig zusammen mit Blaseninfektionen auf: In einer schwedischen Studie mit Siebenjährigen waren 8,4 Prozent der Mädchen und 1,4 Prozent der Jungen betroffen.

Abschließend möchten wir aus der Hubertus-Apotheke Eltern noch folgende Tipps geben:

  • Wenn Ihr Kind unter sieben Jahren ist und nur nachts gelegentlich einnässt, müssen Sie sich keine Sorgen machen. Es ist vor allem sinnlos, das Kind unter Druck zu setzen. Es kann nichts dafür. Deshalb ist belohnen und strafen aus unserer Sicht zwecklos.
  • Wenn Siebenjährige nachts noch einnässen, sollten Sie Ihren Kinderarzt konsultieren. Hilfreich ist dann zunächst ein Verhaltenstraining. Dazu gehört z.B. das Führen eines "Pippi-Tagebuches". In diesem hält das Kind fest, welche Nächte nass und welche trocken sind. Alleine dieses bewirkt schon viel: Das Kind lernt so Verantwortung und Kontrolle. Voraussetzung: Das Kind führt dieses Tagebuch selbst - und nicht die Eltern.
  • Medikamente wirken zwar schnell - doch oft nur so lange sie eingenommen werden. Ein Verhaltenstraining wirkt demgegenüber auch noch nachdem es abgesetzt wurde.
  • Wenn Kinder tagsüber Urin verlieren, kann dies ein Warnzeichen sein. Sie sollten dann den Kinderarzt konsultieren, da dahinter eine Blaseninfektionen stecken kann.

 

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