Hubertus Apotheke Beratung

Diabetes und Schwangerschaft


Photo: ABDA

Schwangerschaften bei Typ-1-Diabetikerinnen bergen gewisse Risiken insbesondere für das Neugeborene, die man bei der Planung einer Schwangerschaft kennen und berücksichtigen sollte. Um schwerwiegende Komplikationen abzuwenden, sollten Diabetikerinnen sicherstellen, dass ihr Zuckerstoffwechsel möglichst schon zu Beginn der Schwangerschaft bestmöglich eingestellt ist. Der Verlauf der Schwangerschaft kann in drei Hauptphasen, sogenannte Trimenons (jeweils drei Monate), eingeteilt werden, in denen jeweils unterschiedliche Risiken bzw. Komplikationen auftreten können.

In den ersten drei Monaten werden alle Organe des kindlichen Organismus angelegt. Ein überhöhter Blutzuckerspiegel der Mutter kann hier im schlimmsten Fall zu Missbildungen des Fötus führen, indem die korrekte Organanlage behindert wird.

Drei wesentliche weitere Komplikationen können auftreten: Übergewicht des Kindes, Atemprobleme und Neigung zu Unterzuckerungen. Sie werden auch unter dem Begriff der "diabetischen Fetopathie" zusammengefasst.

  • Etwa ab der 23. Schwangerschaftswoche sind die Organe des Ungeborenen soweit entwickelt, dass seine Bauchspeicheldrüse zu eigenständiger Insulinproduktion fähig ist. Da die erhöhte Blutglucose der Mutter bei schlecht eingestelltem Diabetes über die Plazenta ungehindert in den kindlichen Kreislauf gelangen kann, wirkt sie, zusätzlich zur kindlichen Glucose, stimulierend auf die Insulinfreisetzung in den kindlichen B-Zellen. Die erhöhten Insulinspiegel des Kindes bewirken eine verstärkte Glucoseaufnahme in den kindlichen Organismus, wo sie zum Teil in Form von Unterhautfettdepots gespeichert wird. Die Folge ist eine Gewichtszunahme des Fetus; das Neugeborene leidet bereits unter Übergewicht.
  • Darüber hinaus bewirken die erhöhten Insulinspiegel im Fruchtwasser auch in der kindlichen Lunge einen Insulinüberschuss, der die Ausbildung des Surfactants in bestimmten Lungenzellen behindern kann. Surfactant, eine seifenähnliche Substanz, ist jedoch essentiell für die ordnungsgemässe und dauerhafte Entfaltung der Lungenflügel nach dem ersten Atemzug des Neugeborenen und damit lebensnotwendig für die eigenständige Sauerstoffversorgung des Neugeborenen. Bei einer mangelhaften Surfactant-Bildung durch erhöhte Insulinmengen in der Lunge des Kindes können folglich nach der Geburt Atemprobleme des Kindes auftreten.
  • Des Weiteren besteht bei schlecht eingestellten Schwangeren nach der Entbindung ein erhöhtes Risiko für Unterzuckerung beim Neugeborenen, da dessen Bauchspeicheldrüse daran gewöhnt ist, grosse Insulinmengen auszuschütten, nun aber die zusätzliche Blutglucose der Mutter ausbleibt.

Im letzten Drittel der Schwangerschaft ist mit einem deutlichen Anstieg des Insulinbedarfs der Schwangeren zu rechnen, da Insulin einerseits im Mutterkuchen abgebaut wird und andererseits der Mutterkuchen Hormone produziert, die dem Insulin entgegenwirken. In der Regel ist eine Neueinstellung der Insulingabe erforderlich.

Die oben geschilderten Komplikationen können durch eine optimale Diabetes-Einstellung vermieden werden. Diese beinhaltet Nüchternblutzuckerwerte unter 100mg/dl, nach den Hauptmahlzeiten maximal 120-140mg/dl und während der Nacht Werte über 60mg/dl, da auch nächtliche Unterzuckerungen der Mutter Schäden beim Ungeborenen nach sich ziehen können. Zur Gewährleistung dieser strengen Zielvorgaben ist eine intensivierte Insulintherapie mit Verzögerungsinsulin zweimal täglich und Normalinsulin zu den Mahlzeiten oder die Verwendung einer Insulinpumpe erforderlich. Ausserdem müssen bis zu sieben Blutzuckermessungen pro Tag durchgeführt, Aceton im Nacht- und Nüchternurin morgens gemessen werden, sowie regelmässige Bestimmungen des HbA1c-Werts als Langzeitmarker für den Zuckerstoffwechsel erfolgen.

Im Vergleich zu stoffwechselgesunden Frauen ist bei schwangeren Diabetikerinnen häufiger ein Kaiserschnitt erforderlich, da es zu unvorhergesehenen Komplikationen bei der Entbindung wie plötzlichem Bluthochdruck oder Mangelversorgung des Kindes durch Gefässveränderungen kommen kann.

Die Befürchtung einer eventuellen Vererbung des Diabetes an das Neugeborene ist in den meisten Fällen unbegründet. Leidet einer der beiden Elternteile an Typ-1-Diabetes, besteht lediglich ein maximal um 4% erhöhtes Risiko für das Kind. Sind jedoch beide Elternteile erkrankt, kann das Risiko zwischen 10 und 30% betragen.

Für weitere Fragen steht Ihnen Ihr Arzt und das Team aus der Hubertus-Apotheke gerne zur Verfügung.


 

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