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Gicht - eine Übersicht

In Europa leiden bis zu 3% der Männer und bis zu 0,6% der Frauen an Gicht (Hyperurikämie). Eine asymptomatische Hyperurikämie mit Harnsäurespiegeln über 7 mg/dl findet sich bei 20% der Männer und 3% der Frauen, die Mehrzahl der Betroffenen bleibt lebenslang beschwerdefrei. Bei Männern beginnt Gicht meist zwischen dem 40. und 50. Lebensjahr, bei Frauen in der Regel erst nach den Wechseljahren. Die Häufigkeit ist neben Alter und Geschlecht abhängig von Ernährungsgewohnheiten und genetischen Faktoren. Zu Diagnose und Therapie für die seit Jahrhunderten bekannte Erkrankung sind erstaunlich wenige aussagekräftige Studien veröffentlicht.

Der Gicht liegt eine Störung des Purinstoffwechsels zu Grunde, die zum Anstieg der Harnsäure im Serum und zu Ablagerungen von Harnsäurekristallen in Gelenken, Knochen, Weichteilen, Nieren und ableitenden Harnwegen führt.

Purine werden mit der Nahrung zugeführt und entstehen im Körper durch Abbau der DNA körpereigenen Zellen sowie durch Neusynthese. Sie werden über Hypoxanthin und Xanthin zu Harnsäure verstoffwechselt. Bei über 90% der erblich bedingten primären Formen der Gicht ist die Harnsäureausscheidung über die Nieren vermindert. Selten liegen Enzymdefekte mit Überproduktion von Harnsäure vor (z.B. LESCH-NYHAN-Syndrom). Sekundäre Hyperurikämien können bei verstärktem Zellumsatz auftreten (z.B. Tumorzerfall, hämatopoetische Erkrankungen wie Leukämie u.a.), bei Systemerkrankungen wie Psoriasis oder bei Niereninsuffizienz, Azidose, Einnahme von Diuretika u.a.

Die Löslichkeitsgrenze für Harnsäure beträgt bei 37 °Celsius im Plasma etwa 6,5 mg/dI, bei niedrigeren Temperaturen wie z.B. in den Extremitäten (30 °C) fallen Harnsäurekristalle bereits bei Werten von 5 mg/dl aus.

Quelle: arznei-telegramm 2002; Jg. 33, Nr. 9


 

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