Hubertus Apotheke Beratung

Probleme der chronischen Laxantieneinnahme

Für viele Menschen stellt die regelmässige Darmentleerung ein grosses körperliches und psychisches Bedürfnis dar, wahrscheinlich weil dem Darminhalt noch heute häufig eine unreine und schädigende Eigenschaft nachgesagt wird. Die unzureichende Erfüllung dieses Bedürfnisses gepaart mit körperlichen Symptomen einer subjektiven Obstipation übt einen enormen Leidensdruck auf die Betroffenen aus. Dies erklärt, warum jährlich mehrere hundert Millionen Euro für nicht verschreibungspflichtige Abführmittel ausgegeben werden, meist jedoch ohne vorherige ärztliche Untersuchung und ohne ärztliche Verordnung.

Die exzessiv betriebene Darmhygiene oder der Einsatz von Abführmitteln als Schlankheits - und Entschlackungsmittel führt häufig zu massiver missbräuchlicher Anwendung drastisch wirkender Laxantien.

Während die zeitlich begrenzte Anwendung zwar meist harmlos ist, haben praktisch alle stärker wirksamen Abführmittel, chemisch-synthetische ebenso wie Laxantien auf Zucker-, Salz- oder Pflanzenbasis, bei Dauergebrauch ein hohes Nebenwirkungspotential und bergen grosse gesundheitliche Risiken. Je nach vorherrschendem Wirkungsmechanismus kommt es zu mehr oder weniger starkem Flüssigkeits-, Mineralstoff- und Elektrolytentzug, wodurch das Gleichgewicht der essentiellen Mikronährstoffe, Spurenelemente und Vitamine sowie den Säure-Basen-Haushalt empfindlich gestört wird.

Besonders schwerwiegend ist dabei der massive Kaliumverlust, zunächst nur über den Stuhl, später auch durch nachgeschaltete Mechanismen auch über den Harn. Die glatte Darmmuskulatur stellt in Folge des Kaliummangels ihre Tätigkeit immer stärker ein, sodass sich die Obstipation zunehmend verschlimmert. Die drastische und unphysiologische Entleerung des Darms bewirkt naturgemäss eine "kompensatorische Pause", deshalb muss der längere Zeitraum bis zur nächsten Stuhlentleerung grundsätzlich abgewartet werden. Jeder erneute Griff zum Abführmittel aber verschlimmert einen Teufelskreis, der über kurz oder lang zu schwerwiegenden Veränderungen der Darmstrukturen mit "Abführmittel-Kolon", Gewöhnung, chronischer Darmträgheit bis zu vollständigem Versagen der Darmfunktion führen kann. Bedingt durch den starken Kaliumverlust kann es darüber hinaus zu lebensgefährlichen Interaktionen mit gleichzeitig eingenommenen Medikamenten wie Digitalisglykosiden oder Diuretika kommen.

Gerade die häufig als harmlos eingeschätzten pflanzlichen Wirkstoffe entpuppen sich als besonders tückisch, da hier zusätzlich enthaltene Inhaltsstoffe für Leberschädigungen und morphologische Veränderungen der Darmschleimhaut verantwortlich sind und ein potentielles Krebsrisiko nicht ausgeschlossen werden kann.

Eine Therapie mit stark wirksamen Abführmitteln kann in vereinzelten Fällen eine notwendige gesundheitliche Massnahme sein oder zu einer segensreichen Verbesserung des körperlichen Wohlbefindens und der Lebensqualität beitragen. Die potentiellen Risiken und eventuelle nicht kontrollierbare Kettenreaktionen bei Laxantienmissbrauch müssen jedoch stets berücksichtigt und sorgfältig gegen den erhofften Nutzen abgewogen werden.

Sollten Sie wirklich ein Abführmittel benötigen, fragen Sie uns in der Hubertus-Apotheke - gerne helfen wir Ihnen bei der Auswahl des für Sie am besten geeigneten Präparates.


 

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